museumssterne | museen basel offen für behinderte

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Preisverleihung museumssterne***
am Donnerstag, 13. November 2008,
im Kunstmuseum Basel, Museum für Gegenwartskunst


Rede des Gastjurors 2008

David Vuillaume

Generalsekretär des Verbandes der Museen der Schweiz (VMS) und des Internationalen Museumsrates (ICOM)

Sehr geehrte Damen und Herren

Anfang dieses Jahres wurde ich angefragt, als Gastjuror 2008 beim Projekt museumssterne*** mitzuwirken und nach der letzten Jury-Sitzung hat man mich gebeten, hier einige Wort über meine Erfahrungen in dieser Gruppe zu sagen. Das mache ich umso lieber, als dass es für mich nicht nur eine Ehre, sondern auch ein Vergnügen war, dabei gewesen zu sein.

Aus meiner persönlichen Erfahrung in diesem Jahr möchte ich 3 Feststellungen machen:

1. Feststellung: Dieses Projekt ist sehr gut organisiert.

Da möchte ich die Professionalität der Museumsdienste Basel loben. Es gibt in der Schweiz sehr unterschiedliche Formen von städtischen oder regionalen Museumskoordinationsstellen und die Museumsdienste Basel sind meiner Meinung nach beispielhaft in Bezug auf Struktur und Auftrag.

2. Feststellung: Die Jury arbeitet zielorientiert, sehr überlegt und konstruktiv.

Es herrschte nicht immer absolute Harmonie, es gab intensive Diskussionen und Auseinandersetzungen - das ist allerdings bemerkenswert für eine Gruppe, die sich seit drei Jahren trifft - aber es gab gleichzeitig eine sehr hohe Qualität beim Zuhören und Debattieren, so dass wir schliesslich einstimmig die Gewinner auswählen konnten.

3. Feststellung und Hauptgrund meiner Begeisterung für dieses Projekt: In der Jury ging es nie um eine binäre Weltanschauung mit Nichtbehinderten auf der einen Seite und den "armen Behinderten", denen geholfen werden müsste, auf der anderen Seite. Oder auf der einen Seite Menschen mit einer körperlichen Einschränkung, die andererseits in einer Forderungshaltung Erwartungen an die Museumsvertreter gesetzt hätten.

Wir waren eine Gruppe von Museumsamateuren, Museumsliebhabern und Museumsfachleuten, die sich Gedanken gemacht haben, wie ein Museum für die ganze Gesellschaft zugänglich sein könnte.
Es gab kein WIR gegenüber einem SIE, es war eher das Abbild einer Gesellschaft, in der jede und jeder eine Bereicherung für die Anderen darstellt. Das klingt natürlich sehr utopisch, aber genau diese Haltung, diese Menschenzusammensetzung und -dynamik, ist, was wir von Museumskandidaten für die Auszeichnung "museumssterne***" erwarten, nämlich dass sie intern und extern offen für alle Sparten der Gesellschaft sind.

Zum Schluss möchte ich noch über die Übertragbarkeit des Projektes "museumssterne***" sprechen: In zwei Jahren wird das Projekt in Basel abgeschlossen sein. Und es wäre schön, wenn die Idee in andere Städte bzw. schweizweit übernommen würde. Die Jury wünscht sich das und ich wünsche mir das auch auch. Was in Basel möglich ist, sollte doch auch in anderen Regionen möglich sein, obwohl Basel bekannterweise immer ein wenig "anders tickt"... So werde ich mich als Generalsekretär des Verbandes der Museen der Schweiz VSM ab 2009 gerne als Botschafter dieser Idee engagieren. Aber es wird nicht einfach werden. Ich zitiere einen kantonalen Kulturbeauftragten, den ich versucht habe, für diese Idee zu begeistern: "Museen sind doch keine sozialen Institutionen!" sagte er in einem bestimmten Tonfall. "Museen sind doch keine sozialen Institutionen?" wiederholte ich mit einem Fragezeichen... Ja, Museen sind keine Altersheime, Spitäler oder Präventionsstellen. Aber ich behaupte, dass mein Gegenüber falsch liegt, wenn er die soziale Dimension der Institution Museum nicht sehen will. Ich zitiere immer wieder gerne die Definition des Museums des Internationalen Museumsrates ICOM, die Folgendes beinhaltet: "Das Museum ist eine der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und derer Entwicklung" Das ist ein starkes politisches Statement. Und es hat sehr wohl eine soziale Dimension: die Museen sind öffentlich, müssen allen zugänglich sein und dienen auch noch der Entwicklung der Gesellschaft. Diese Entwicklung darf im Prinzip niemanden ausschliessen.
Im Sinne dieser essentiellen Werte werde ich mich also sehr gerne engagieren und die Tatsache, dass es schwierig sein wird, motiviert mich umso mehr.
Basel zeigt, dass es möglich ist und wir können darauf stolz sein. Vielen Dank!

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