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Kunstvermittlung als Projektarbeit

von Martina Siegwolf

Bildung und Vermittlung
Museum für Gegenwartskunst

Hier ein paar grundlegende Gedanken zu meiner Arbeitsweise, die wichtig für meine Vermittlungstätigkeit sind. Es handelt sich hierbei nicht um Rezepte, sondern jedes Projekt entwickelt sich aus sich selbst heraus. Die Beteiligten sind gemeinsam mit den zu vermittelnden künstlerischen Verfahren ein Bestandteil des vermittelnden Verfahrens. Das Museum ist in diesem Prozess - wie auch die psychiatrische Klinik - eine Bühne unseres gesellschaftlichen Theaters.

Ebenso wie Kunst ist auch Krankheit Definitionssache und spiegelt die Gesellschaft wider. Und Krankheit wiederum ist auch ein Thema der Kunst, und ich spiele in diesem Theater die Regisseurin.

Ich glaube fest an die Wirksamkeit von Bildern auf Menschen. Unsere Zeit bringt inflationär viele Bilder hervor, die wir lesen lernen müssen. Das Bild besitzt eine eigene Sprache und Logik und hierbei sind künstlerische Bilder besonders wichtig: Künstler sind in diesem Bereich Spezialisten. Bilder betrachten heisst wahr-nehmen oder noch treffender in Latein "anim-ad-vertere" = sich mit der Seele zu etwas hinwenden

Das Museum ist ein Ort "out of the precence" und damit ein Ort auf einem anderen Stern - das ist bedeutungsvoll und gut so. Es herrschen also auch andere klimatische Bedingungen und Voraussetzungen als ausserhalb dieser Mauern. Das Museum kann ein Ort des Experimentes, des Spiels und der Reflektion sein. Dem was man sieht Sprache verleihen, Ausdruck geben, Glauben schenken und damit behutsam sein. Kunst hat heute wenig zu tun mit etwas Schönem, vielleicht eher mit etwas Wahrem oder einem Spiegel unserer Zeit.

Die jungen Menschen an der "Röschi" sind für einen gewissen Zeitraum "out of the precence", warum auch immer. In dieser Projektwoche haben sie andere Bilder erfahren und eigene Bilder gemacht. Eine Pause vielleicht von anderen inneren Bildern und ein Kennenlernen von einem ihnen fremden Ort, dem Museum.

"Video" heisst, ich sehe und fotografieren bedeutet, Zeit einfrieren und damit auch Zeit bewusst erfahrbar machen. Die jungen Menschen in der "Röschi" sind meist einsam mit ihren inneren Bildern. Das Projekt bietet ihnen eine kurze Unterbrechung und einen gruppendynamischen Prozess um das Schaffen von Bildern, die nicht "schön" sein müssen. Dies hat, so meine ich, Freude bereitet.

Zur Eröffnung der Präsentation ist eine junge Frau, die nicht mehr in der Klinik war, extra von Thun angereist. Ein anderer Patient hat seine Mutter, mit der er eine schwierige Beziehung hat, eingeladen. Jemand, der sich bislang nicht zeigen wollte, hat sich entschieden Führungen zu machen. Er will jetzt Fotograf werden. Eine junge Frau hat den ganzen Tag ohne Murren freudig Bilder an die Wand getackert. Vor drei Jahren hat sogar ein Jugendlicher, der zuvor das Sprechen verweigerte, in dieser Woche wieder zu Reden angefangen.

Welche Langzeit Wirkungen solche Erlebnisse haben, kann ich nicht abschätzen. Wenn ich jedoch ab und zu jemanden in der Stadt antreffe, kommt die Sprache schnell auf das Erlebnis im Museum.

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