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Kunsthalle Basel

Kunsthalle ohne Schwellen

Workshops in der Kunsthalle Basel für Menschen mit einer Behinderung

kh2

Ausgangslage


Die Hemmschwelle, in ein Museum zu gehen, in dem zeitgenössische Kunst gezeigt wird, ist für viele Leute relativ hoch. Das rührt daher, dass zeitgenössische Kunst ein Gebiet ist, welches Laien oft fremd und zu intellektuell erscheint. Die Vermittlung der Kunsthalle Basel versucht diese Barrieren mit innovativen Projekten und der Zusammenarbeit mit Schulen in der Region abzubauen und den Besucher/-innen die zeitgenössische Kunst auf vielfältige Weise näher zu bringen. Dies gilt auch für Besucher/-innen mit einer Behinderung, und es ist ein besonderes Anliegen der Kunstvermittlung der Kunsthalle Basel, diesen Bereich zu pflegen und weiter auszubauen.

Im letzten Jahr wurde das Projekt Kunstagenten realisiert, in dem Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderung eine Führung für ihre Freunde und Familien erarbeitet haben. In der Absicht diese einmalige, sehr positive Erfahrung auszubauen und die Vermittlung von Kunst für Menschen mit einer Behinderung im Angebot der Kunstvermittlung stärker publik zu machen, wurde mit verschiedenen Heimen aus der Region Kontakt aufgenommen. Ziel war es, die Neugierde und das Interesse der Institutionen und ihrer Bewohner/-innen zu wecken und einen Grundstein für eine längerfristige Zusammenarbeit zu legen. Aus diesen Recherchen entstand ein Workshop, der sich speziell an Menschen mit einer Behinderung richtete und im Zusammenhang mit der Gruppenausstellung After Architects und der Einzelausstellung Obstacles to Renewal von Cyprien Gaillard (28. März-24. Mai 2010) realisiert wurde. Der Workshop fand zweimal statt und zielte darauf ab, den Kindern, Jugendlichen aber auch Erwachsenen die zeitgenössische Kunst auf spielerische Weise und durch eigene kreative Betätigung näher zu bringen.

Kurzbeschreibung


Die Gruppenausstellung "After Architects" und die Einzelausstellung von Cyprien Gaillard behandelte das Thema Architektur und ihr Verhältnis zur Natur sowie zu politischen und sozialen Prozessen. Die verschiedenen Positionen der Künstler/-innen präsentierten sich in Form von Installationen, Videoarbeiten, Fotografien und einer Wandarbeit. Die Ausstellung war trotz ihrer komplexen Thematik sehr sinnlich wahrnehmbar und somit spannend und gut zu vermitteln.

Das Team der Kunstvermittlung zog den Sozialpädagogen Daniel Tanner bei, um den an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung angepassten Workshop zu entwickeln. Mit seiner Hilfe konnte der Austausch mit den Heimen intensiviert und der Workshop fachkundig und praxiserfahren begleitet werden.

Im ersten Teil des eineinhalbstündigen Workshops wurde die Ausstellung besucht und ein erster Eindruck vermittelt. Da viele Teilnehmer/-innen zum ersten Mal mit zeitgenössischer Kunst konfrontiert wurden, war das Staunen gross. Viele Fragen betreffend des Ausstellungsraums und der ausgestellten Werke tauchten auf und führten zu einem interessanten Austausch über die unterschiedlichsten Ausdrucksformen zeitgenössischer Kunst. Die Teilnehmer/-innen konnten hierbei ihre Eindrücke und Faszination äussern. In der Vermittlung hat sich gezeigt, dass es wichtig ist, Verbindungen zwischen der gezeigten Kunst und dem Alltag der Besucher/-innen herzustellen. So wurde der Zugang beispielsweise durch den Hinweis erleichtert, dass die Arbeit von Latifa Echakhch, die sich auf das Modulor-System des Schweizer Architekten Le Corbusier bezieht, in Verbindung mit der Zehn-Franken-Note gebracht werden konnte. Auch der Hinweis, dass die Besucher/-innen in den Schwarzweissfotografien von Charlotte Moth mittels ihrer Imagination viele Geschichten und Gebäude aus ihrem Alltag erkennen können, war für sie sehr hilfreich.

Der zweite Teil des Workshops war praktischer Natur und fand in der Werkstatt der Kunsthalle Basel statt, wo die Teilnehmer/-innen unter Anleitung selbst kreativ tätig werden konnten.

Drei Arbeiten standen zur Auswahl:

  • Aus diversen Materialien, wie zum Beispiel Holz, Ton oder Recyclingmaterial, ein eigenes Traumhaus bauen.
  • Zu Musik zeichnen und versuchen, die Stimmung nach dem Besuch der Ausstellung auszudrücken.
  • Einen Teil eines Gebäudes fotografieren und dabei verschiedene Filter benutzen (eine ähnliche Vorgehensweise, wie sie bei der Arbeit des Fotografen James Welling in der Ausstellung "After Architects" zu sehen war).

Der eigenen Fantasie Ausdruck zu verleihen war für die Teilnehmer/-innen eine wichtige Erfahrung, da sie sich selbst ausdrücken und damit in die Gruppe einbringen konnten. Zudem war es eindrücklich für sie, einen Einblick hinter die Kulissen der Kunsthalle Basel zu erhalten und im Beisein der Kunstvermittlung und des technischen Teams in der Werkstatt arbeiten zu dürfen.

Der "Sonnenhof Arlesheim" hat uns zweimal mit sehr positiver Rückmeldung besucht und weitere Heime haben bereits ihr Interesse bekundet. Einige Heime konnten diesen Workshop aufgrund ihrer längerfristigen Planung leider nicht in ihr Jahresprogramm integrieren.

Zielsetzung


Das Ziel der Kunstvermittlung der Kunsthalle Basel ist, einen intensiveren Austausch mit Heimen und Institutionen für Menschen mit einer Behinderung herzustellen, damit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit einer Behinderung ein unbefangener Zugang zu zeitgenössischer Kunst ermöglicht wird. Das Team der Kunstvermittlung möchte unterschiedliche Workshops entwickeln, die auf spontane, spielerische Weise auf die Wahrnehmung und die Fragen der Teilnehmer/-innen eingehen. Die Möglichkeit selber gestalterisch tätig zu werden und dabei neue Techniken kennenzulernen sowie die individuellen Begabungen und Stärken kennen zu lernen, sollen helfen, bestehende Hemmschwellen zu überwinden und ein Interesse an der Kunst zu wecken. Besonders wichtig ist auch, dass Menschen mit einer Behinderung durch derartige Angebote die Gelegenheit erhalten, aus ihrem gewohnten Umfeld herauszukommen und etwas Neues kennenzulernen und entdecken zu können. Nach unseren Erfahrungen, ist es für die Teilnehmer/-innen ein Erfolgserlebnis, wenn sie ausserhalb des geschützten Rahmens ihre Fähigkeiten zeigen und auch weiter intensivieren können.

Ausblick


2010 stand die Kontaktaufnahme zu den Heimen in der Region im Vordergrund, um sich einen Überblick über das Interesse und die Möglichkeiten zu verschaffen, sowie die Durchführung eines ersten Workshops. Das Feedback vom "Sonnenhof Arlesheim" fiel sehr positiv aus und es entsteht bereits Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit.

In Zukunft möchte die Kunstvermittlung der Kunsthalle Basel ihr Netzwerk an Heimen und Institutionen noch weiter ausbauen und vermehrt spezifische Workshops für Personen mit einer Behinderung anbieten. Die Heime sollen frühzeitig über das Angebot informiert werden, damit sie die angebotenen Workshops in ihr Jahresprogramm aufnehmen können. Einige Projekte sind bereits angedacht; beispielsweise ist im nächsten Sommer ein "Sommerprojekt" geplant, bei dem den Heimen in den Sommerferien ein dreitägiger Workshop angeboten werden soll. Der grössere zeitliche Rahmen ermöglicht es, die Themen der Ausstellung über mehrere Tage hinweg intensiv zu bearbeiten und mehr Zeit für gestalterische Aktivitäten einzuräumen sowie besser auf die einzelnen Projektteilnehmer/-innen einzugehen. Ein weiteres Konzept für einen Workshop zur Regionale -Ausstellung im Winter 2011 wird derzeit erarbeitet. Ziel wäre es, den Teilnehmer/-innen die Möglichkeit zu geben, einige der teilnehmenden Künstler persönlich zu treffen oder sie sogar in ihren Ateliers zu besuchen.

Das kuratorische Team der Kunsthalle Basel arbeitet in erster Linie mit jungen, aufstrebenden Kunstschaffenden zusammen, die eingeladen werden, spezifische Ausstellungsprojekte zu entwickeln. Dies lässt in der Regel keine sehr langfristige inhaltliche Planung zu, was für die Kunstvermittlung eine Herausforderung darstellt und gleichzeitig einer der Gründe für die grosse Experimentierfreudigkeit und Flexibilität des Kunstvermittlung-Teams ist.

Öffentlichkeitsarbeit


Die Behindertenorganisationen der Region Basel wurden direkt kontaktiert und eingeladen:
Sonnenhof Arelsheim, VSP Werkplatz, Liestal, Abilia Basel, Jufa Basel, Eingliederungsstätte Baselland, Freizeitzentrum insieme Basel, ...

Kunsthalle ohne Schwellen wurde daneben regulär auf der Webseite der Kunsthalle Basel publiziert und erschien in allen betreffenden Agenden, einschliesslich derjenigen der museen basel.

Referenz

Christin Burzlaff
Gruppenleiterin Tobias Haus
Sonnenhof Arlesheim
Obere Gasse 10
4144 Arlesheim
Tel: +41 61 706 12 12

Kontakt

Sanja Lukanovic
Bildung und Vermittlung Kunsthalle Basel
Steinenberg 7
4051 Basel
Tel: +41 61 206 99 09
Mail senden

Partner

Daniel Tanner
Dipl. Sozialpädagoge
Mülhauserstr. 82
4056 Basel
Tel: +41 76 411 33 81

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