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Kunsthalle Basel

Kunstagenten

Gemeinsam mit Familie und Freunden zeitgenössische Kunst entdecken


Eine Veranstaltung der Kunstvermittlung der Kunsthalle Basel
in Zusammenarbeit mit der Integrationsklasse der Orientierungsschule Drei Linden

Zeitrahmen

Ausstellung: Stills and Movies von Hannes Schüpbach
25. Januar - 22. März 2009
Das Projekt startete mit der Vorbereitung der Führung noch vor der Eröffnung der Ausstellung am 22. Januar und endete mit der Vernissage für die Eltern am Mittwoch den 18. März.
Kunstagenten

Ausgangslage

Zur Ausstellung von Hannes Schüpbach Stills and Movies (25. Januar - 22. März 2009) wurde ein integratives Vermittlungsangebot entwickelt, welches Kindern mit und ohne Behinderung sowie deren Familien und Freunden einen direkten Einblick in die Arbeitsweise eines zeitgenössischen Künstlers ermöglichte.

Zielsetzung

Ziel des Projektes ist es, Kindern mit und ohne Behinderung einen direkten Einblick in die Arbeitsweise eines zeitgenössischen Künstlers geben. Dabei stand im Vordergrund die Gemeinsamkeiten zwischen Behinderten und Nichtbehinderten zu betonen sowie auf gegenseitige Rücksichtsnahme und Unterstützung zu achten. Die Zusammenarbeit mit einer Integrationsklasse erwies sich als guter Ausgangspunkt. Der integrative Unterricht muss sich vorwiegend an den Fähigkeiten und Stärken eines Kindes und nicht an dessen Schwächen orientieren. Diese Haltung stand auch bei der Vorbereitung und der Realisierung der Führung im Vordergrund.

Kinder gehen im Vergleich zu Erwachsenen viel offener und vorurteilsloser an zeitgenössische Kunst heran. Diese Neugier und Offenheit soll sich auch auf die Eltern übertragen. Indem die Kinder als Kunstvermittler arbeiten und ihre eigenen Arbeiten in der Kunsthalle zeigen, ermöglichen sie ihren Freunden und ihrer Familie einen persönlichen und neuen Zugang zur Ausstellung. Die Vernissage soll einen Treffpunkt schaffen für verschiedene Generationen, wo Wissen ausgetauscht und gemein-sam zeitgenössischen Kunst betrachtet und erlebt werden kann.

Zielgruppe

Integrationsklassen, Orientierungsschulen Basel (Kinder im Alter von 10-12 Jahren), Familie und Freunde der Schüler/-innen.

Kurzbeschreibung

Die Ausstellung von Hannes Schüpbach präsentierte unter anderem die Filmarbeiten Spin (2001) und Verso (2008) welche filmische Porträts seiner Eltern zeigen. In 16mm Filmaufnahmen fokussiert und umkreist er mit der Kamera die Personen sowie deren Umgebung. Die kurzen, tonlosen Film-Sequenzen werden durch schwarze Sequenzen unterbrochen und fügen sich so zu einer rhythmisierten Struktur zusammen. Diese Auseinandersetzung des Künstlers mit seinen Eltern über das Medium Film war ein Anknüpfungspunkt, um eine generationenübergreifende Form der Vermittlung aufzunehmen.

Eine kleine Gruppe von Schülern einer Integrationsklasse (Kinder mit und ohne Behinderung werden gemeinsam unterrichtet) der Orientierungsschule Drei Linden in Basel bereitete eine Führung durch die Ausstellung für ihre Mitschüler, ihre Eltern und Freunde vor. Die Gruppe bestand aus vier Kindern, Ronja, Micha sowie Hilmi und Laura, ein Schüler und eine Schülerin mit einer geistigen Behinderung. Gemeinsam und im Dialog mit dem Künstler Hannes Schüpbach entwickelten die Kinder eine altersgerechte Führung. Auf diese Weise wurden Laura, Hilmi, Micha und Ronja zu "Kunstagenten" und gaben in einem zweiten Schritt ihr erworbenes Wissen an Gleichaltrige sowie an ihre Eltern und Freunde weiter.

Die Vorbereitung der Führung beinhaltete ein Treffen mit dem Künstler. In diesem stellte Hannes Schüpbach seine Arbeiten vor und die Kinder konnten ihm Fragen stellen. Mit diesem neuen Wissen und den Erfahrungen konzipierten die Kinder mit viel Fantasie und Begeisterung einen Rundgang durch die Ausstellung. Während der ganzen Vorbereitungszeit wurden die Kinder begleitet und unterstützt durch die Museumspädagogin Valerie Bosshard und der Sonderpädagogin Ruth Richartz. Mit ausführlichen Bildbetrachtungen und einem Denkspiel gaben die Kinder den Schüler/-innen ihrer eigenen Klasse sowie einer Parallelklasse einen spannenden Einblick in die künstlerische Arbeit von Hannes Schüpbach.

Während Laura, Hilmi, Micha und Ronja die Führung vorbereiteten, entwickelte der Rest der Klasse im Zeichenunterricht eine gestalterische Arbeit. Ausgangspunkt für diese Arbeit war Hannes Schüpbach's 16mm Film SPIN, welcher ein sensibles Porträt seiner Mutter zeigt. Die SchülerInnen liessen sich von Schüpbachs Arbeitsweise inspirieren und gestalteten ein eigenes fotografisches Porträt einer Person, welche ihnen nahe steht. Ähnlich wie in Schüpachs Filmen Spin und Verso versuchten sie sich über das Medium der Fotografie einer Person in ihrem Alltagsumfeld anzunähern. Im Deutschunterricht wurden die Porträts zudem durch begleitende, kurze Texte ergänzt und zu einer poetischen Abfolge von Bildern und Texten zusammen gestellt. Diese Schülerarbeiten wurden am Mittwoch den 18. März 2009 im Rahmen einer besonderen Vernissage für Eltern, Freunde und Interessierte in der Kunsthalle öffentlich gemacht. Auftakt des Vernissageabends war die Führung, welche die vier Kunstagenten vorbereitet hatten. Danach wurden im Filmraum, wo während der Ausstellung die Kurzfilme von Schüpbach gezeigt wurden, die Arbeit der SchülerInnen in Form einer Beamer Projektion präsentiert.

Der Abend war äusserst gut besucht und das positive Echo von Seiten der Kinder, der Besucher, der Schule, der Museumsdirektion und auch des Künstlers hat uns dazu bewogen, das Projekt fortzusetzen. Deshalb ist für den Winter im Jahr 2010 mit der gleichen Klasse eine Veranstaltung mit ähnlichen Zielsetzungen geplant.

Nach der Vernissage wurde das Projekt in einer filmischen Dokumentation der Führung und der Schülerarbeiten auf einem Monitor im Eingangsbereich der Kunsthalle Basel gezeigt.

Öffentlichkeitsarbeit

Die Vernissage war für Familie, Freunde und Interessierte zugänglich. Die Dokumentation des Projektes wurde nach der Vernissage bis zum Ausstellungsende am 22.März 2009 in Form eines Filmes auf einem Monitor im Foyer der Kunsthalle Basel der Öffentlichkeit gezeigt. Zudem wurde das Projekt auf Internetseite der Kunsthalle Basel sowie auf der Internetseite m@l (Marktplatz für ausserschulisches Lernen) ausführlich vorgestellt.

Informationen zum Projekt gingen an folgende Zeitungen und Magazine:
  • Programmzeitung
  • Basler Zeitung
  • Basellandschaftliche Zeitung
  • Basler Schulblatt
  • Mediamus
  • Museen Basel
  • Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik
  • Fachzeitschrift Curaviva

Kontaktperson

Valerie Bosshard
Bildung und Vermittlung Kunsthalle Basel
Steinenberg 7
4051 Basel
Tel: +41 61 206 99 09
Mail >

Partnerin

Moa Ebneter
Orientierungsschule Drei Linden
Zu den drei Linden 90
Tel: + 41 61 606 33 60

Nachhaltigkeit

Die Gelegenheit, dass zwei Kinder mit einer Behinderung bei einem besonderen Projekt mitarbeiten durften, stärkte den Zusammenhalt der Klasse und das Selbstvertrauen sowie die Selbsteinschätzung der einzelnen Kinder, welche die Führung hielten. Für die Kinder mit einer Behinderung war es zudem eine völlig neue und wichtige Erfahrung, vor einer Gruppe zu sprechen und Verantwortung übernehmen zu müssen. Überraschend zeigte sich auch, dass ein Mädchen, welches als "schwache" Schülerin bezeichnet wurde, am meisten Engagement und Verantwortungsbewusstsein zeigte und sich als besonders kompetent erwies. Die Unterschiede zwischen nicht behinderten und behinderten Kindern wurden im Verlauf des Projektes kleiner.

Zur Vernissage kamen über 70 Besucher/-innen, nicht nur Eltern und Geschwister, sondern auch Grosseltern und nahe Verwandte nahmen an der Veranstaltung teil. Die aussergewöhnliche Situation, dass die Werke der Schüler/-innen in einem musealen Kontext gezeigt werden und Kinder ihre Eltern führen, weckte das Interesse für die Schülerarbeiten und förderte den Austausch zwischen den Eltern und den Kindern. Für die Eltern der behinderten Kindern war es zudem eine aussergewöhnliche Situation, ihr Kind in einer besonderen Rolle zu sehen und liess sie bei Tochter oder Sohn neue, überraschende Stärken entdecken. Durch die besonderen Umstände und das ungewöhnliche neue Lernumfeld konnten Fähigkeiten sichtbar gemacht werden, welche im alltäglichen Schulunterricht im Klassenzimmer weniger zur Geltung kommen.

Das Projekt ermöglichte es allen Beteiligten die Kunstinstitution als Ort der Begegnung neu zu erfahren. In ungezwungener Atmosphäre wurden offene Fragen zur zeitgenössischen Kunst zusammen mit dem Kindern diskutiert und Ideen oder Gedanken zu den Werken ausgetauscht.

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